Ist das Kulturerbe Thailands in Gefahr?

Ist das Kulturerbe Thailands in Gefahr?
März 18 13:29 2019 Print This Article

Thailand hat sehr unterschiedliche Gesichter. Das Königreich strebt in die Zukunft, das ist in den Städten an den neuen Bauwerken zu sehen. Aber es gibt auch ein sehr altes Thailand: Die Überreste längst untergegangener Kulturen befinden überall im Land. Manche liegen in den Städten, andere auf dem Land. Sie zu schützen sollte die Aufgabe des Staates sein. Doch das scheint nicht immer der Fall zu sein. Die Rede ist hier von einer Gegend in Zentralthailand, genauer gesagt, der Provinz Phetchabun. Dort gibt es einen Geschichtspark, genannt Si Thep. Der Geschichtspark heißt nicht umsonst so, er beherbergt einige wichtige architektonische und künstlerische Denkmäler des alten Thailand, darunter die Stupa Khan Khlang Nok.

Die Dvaravati-Zeit

Die Kulturepoche in Zentralthailand zwischen dem 6. und dem 11. Jahrhundert wird als Dvaravati-Zeit bezeichnet. Gleichzeitig steht hinter dem Begriff Dvaravati ein Zusammenschluss mehrerer Stadtstaaten in dieser Region, die vor allem vom Volk der Mon beherrscht wurden. Diese Epoche hat herausragende Bauwerke hervorgebracht, von denen noch einige wenige Ruinen erhalten sind. Eine von ihnen ist Khao Khlang Nok. Nicht nur die Stupa aus der Dvaravati-Zeit, der ganze Geschichtspark waren in der letzten Zeit Thema in den Medien. Eigentlich soll der Park nämlich in die Liste der UNESCO-Welterbe aufgenommen werden, doch sind nur etwa 100 Meter von Khao Khlang Nok Ölbohrungen geplant. Eine Katastrophe, denn die Stupa ist die größte und am besten erhaltene im Park. Eine Stupa hat in der buddhistischen Religion mehrere Funktionen. Sie diente früher unter anderem als Grabhügel und als Ort, an dem Reliquien Buddhas aufbewahrt wurden. Noch heute ist sie ein wichtiger Ort religiöser Riten.

Der Geschichtspark Si Thep: Seit Jahrtausenden besiedelt

Die Gegend, in der der Park liegt, war schon zu prähistorischen Zeiten besiedelt. Etwa 2.000 Jahre alt sind die Keramiken, Objekte und menschlichen Knochen, die bei Ausgrabungen zutage gefördert wurden. In der Dvaravati-Zeit wurde der Ort zu einer Stadt, die während der nachfolgenden Khmer-Zeit florierte. Und genau aus diesen zwei Perioden finden sich noch immer Ruinen, die Sie besichtigen können. Auf dem etwa zwei Quadratkilometer großen Gelände befinden sich neben der Stupa Khao Khlang Nok andere Bauwerke wie der Prang Si Thep, aber auch einzelne Objekte, beispielsweise das Gesetzesrad Dharmachakra, buddhistisches Symbol der von Buddha verkündeten Lehre, oder Stuckverzierungen, die sich an der Basis der zweiten, kleineren Stupa im Park, der Khao Khlang Noi, befinden. Auch wenn die Bauten teilweise an verfallene Ziegelhügel erinnern, lässt sich doch erahnen, welch großartigen Anblick sie viele Jahrhunderte zuvor in intaktem Zustand geboten haben. Es sind Werke, die in jedem Fall erhalten bleiben sollten. Durch den Park bewegt man sich entweder zu Fuß, oder noch besser, mit dem Fahrrad, da das Areal sehr weitläufig ist. Die Stupa Khao Khlang Nok wurde erst während archäologischer Ausgrabungen im Jahre 2008 entdeckt. Die Grundfläche der Stupa beträgt 64×64 Meter. Von jeder Seite führt eine Treppe nach oben. Die 20 Meter hoch gelegene Plattform ist jedoch nicht zugänglich.

Proteste gegen die Bohrungen

In Zentralthailand wird schon seit Jahren an verschiedenen Stellen nach Öl gebohrt. Der Geschichtspark Si Thep wäre nur ein weiterer Ort. Sowohl zivile Gruppen als auch die Abteilung für Bildende Kunst, die den Geschichtspark betreut, haben nun gegen die geplanten Ölbohrungen bei der Stupa protestiert. Denn immerhin ist hier ein 1.300 Jahre altes Monument der alten Thailändischen Kultur in Gefahr. Nun könnte die große Stupa durch die Bohrungen Schaden nehmen. Denn es werden Geräte benötigt, die sich nicht nur auf den einzigen Bohrpunkt beschränken, was heißt, dass sich die Bohranlage eine gewisse Fläche einnimmt. Ölbohrungen haben auch immer eine Verschmutzung der Umgebung zur Folge. Und nicht nur das: Wie kann der Park zum UNESCO-Welterbe werden, wenn solche massiven Arbeiten auf dem Gelände durchgeführt werden? Denn auf dem Gelände werden noch weitere Ruinen vermutet, die durch das Bohrvorhaben zerstört werden könnten, bevor sie überhaupt ausgegraben sind. Wie der Streit um das Erbe ausgeht, ist noch nicht sicher. Es lässt sich nur hoffen, dass der Wille, die Zeugnisse alter Kulturen zu erhalten, über den finanziellen Gewinn aus der möglichen Ölproduktion siegt.

Bildmaterial: Ddalbiez

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